„But recently we’ve gotten feedback from our community that public content — posts from businesses, brands and media — is crowding out the personal moments […] Video and other public content have exploded on Facebook in the past couple of years.“

– Marc Zuckerberg, CEO von Facebook zur Situation seiner Online-Plattform

Jedes Jahr wird von einer bunt gemischten Truppe an Menschen die Jahreslosung ausgewählt, ein Satz aus der Bibel, der über das Jahr hinweg begleiten soll. In diesem Jahr fiel das Los auf den folgenden:

Dazu könnte man viel sagen – dazu wurde auch schon viel gesagt. Als Medienmensch bin ich aber vor allem an folgender Frage hängen geblieben: Wann hatte ich eigentlich zuletzt das Gefühl, durstig zu sein? Und damit meine ich nicht das Gefühl der brennenden Kehle nach dem völlig überbewerteten Cooper-Test im Sportunterricht der 10. Klasse. Auch nicht das fatale Gefühl, in einem Meeting mit Überlänge vor dem inneren Auge die Strecke zum Kaffeeautomaten abzulaufen. Ich meine das manchmal aufflammende Gefühl tief in meinem Herz, dass mich unzufrieden stimmt. Unzufrieden mit dem mich überfordernden Zustand der Welt. Unzufrieden, weil ich den Sinn meines Lebens nicht so richtig fassen kann. Unzufrieden mit mir selbst, weil es da doch einen Haufen Ecken an mir gibt, die ich doof finde. Unzufrieden, weil ich zwischen all den Menschen doch irgendwie auch einsam bin. Unzufrieden, weil ich das Gefühl habe, es muss doch irgendwie auch noch mehr geben.

Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind eine Generation, die zunehmend verlernt, Durst zuzulassen, obwohl wir ihn eigentlich in uns haben. Vielleicht, weil wir durch die ständigen medialen Wasserwerfer – von Netflix vor dem Einschlafen bis hin zur Brigitte im Wartezimmer beim Zahnarzt – ununterbrochen beschossen werden. Vielleicht, weil sowohl seichte als auch tiefgründige Unterhaltung so leicht verfügbar ist, wie das glasklare Trinkwasser aus der Leitung. Vielleicht auch, weil unser Lieblingssong immer schon direkt in der Spotify-Playlist darauf wartet, unsere Motivation zu pushen wie eine Flasche eisgekühlte Coke. Ich befürchte, wir fühlen uns so selten durstig, weil wir so selten an den Punkt kommen, uns mit uns selbst konfrontieren zu müssen.

Facebook hat angekündigt, seinen Algorithmus für den Newsfeed ändern zu wollen. Posts von Konzernen und Verlagen sollen weiter nach unten rutschen, Posts von Freunden und Bekannten weiter nach oben. More meaningful interactions (dt. „bedeutsame Interaktionen“) lautet Zuckerberg’s Mantra für 2018.

Vielleicht sollten wir uns auf der Suche nach unserem Durst diesem Motto anschließen. Weniger Dauerbeschallung, mehr meaningful interactions mit anderen, aber auch mit uns selbst. Mehr Momente finden, in denen wir vielleicht einfach nur da sind. Um dann gespannt zu sein. Auf das umsonst verfügbare „lebendige Wasser“.

Kategorien: Spiritualität

1 Kommentar

JayTee · 24. Januar 2018 um 13:41

Ich glaube, ein Grund ist auch der Konsum an sich. Wir wollen immer mehr, mehr sehen, mehr erleben. Natürlich gibt es auch einen Angebotsüberschuss, wie ich meinen Tag gestalten kann, vielleicht sogar soll. Und dabei vergessen wir oft, wie viel wir eigentlich schon haben, und welch ein Schatz sich dahinter verbirgt, vielleicht auch mal weniger zu haben. Ruhe genießen anstatt ständig berießelt zu werden.
Vielleicht haben wir aber auch davor Angst, weil wir uns dann wirklich mit dem Auseinander setzen müssen, was dann in uns hervorbricht. Das ehrliche Ich.

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