Als vor einigen Monaten eine gute Freundin das Kunstwort „Designerpfarrer“ als zukünftige Berufsbezeichnung für mich in den Raum geworfen hatte, musste ich lachen. Vor meinem inneren Auge sah ich einen Typen in einer schnieken Sherlock-Robe mit dem typischen Beffchen genannten weißen Halselement eines Pfarrers, einer Louis-Vuitton-Tasche, glattgebügelten Haaren und strahlend weißen Nike Air Force 1 an den Füßen. Ich lehnte dankend ab, der Begriff lies mich jedoch nicht in Ruhe. Ein bisschen an Farbe scheint die Kirche irgendwie schon verloren zu haben in ihren vielen Jahren. Aber sind Designerpfarrer da die richtige Antwort?

Warum die Kirche keine Designerpfarrer braucht.

Viele Jahrhunderte lange war das Amt des Pfarrers, beziehungsweise von Geistlichen im Allgemeinen, in Europa äußerst angesehen. Spätestens seit dem Prunk-Bischof Tebartz-van Elst ist jedoch auch dem letzten klargeworden, dass sich dieses Blatt vollkommen gewendet hat. Die Zeit des Klerus ist vorbei. Und das ist auch gut so! Nur weil einzelne eine bestimmte Ausbildung genossen haben sind sie definitiv nicht die besseren Menschen. Wir brauchen keine Nike-Schuhträger. Wir brauchen keine Persönlichkeiten, die uns in Äußerlichkeiten, Selbstüberschätzung und Stolz Vorbilder sind. Davon haben wir genug in unserer Gesellschaft. Wir brauchen keine Designerpfarrer.

Am vergangenen Donnerstag hatte ich das Privileg einige frisch angehende Theologiestudenten kennenzulernen. Alles großartige und leidenschaftliche Menschen. Aber wir sind alle nicht perfekt. Wir werden auch nach 9 Semestern Studium keine Ostereier-legenden Weihnachts-Wollmilchsäue sein, auch wenn sich das Kirchenrat und Gemeinden vielleicht so wünschen. Wir brauchen auch definitiv keine Designerpfarrer. Wir brauchen verschiedene Charaktere, die sich gegenseitig ergänzen.

Was wir aus meiner Sicht ebenfalls nicht brauchen ist einfach nur mehr Style. Nur mit schönen Gebäuden – sorry, ich meine natürlich „Locations“, ansprechenden Flyern, hippen englischen Namen für Gottesdienste und mehr Bass in der Musik werden wir nicht plötzlich wieder relevant für Menschen. Wir machen alles vielleicht ein bisschen hübscher, in erster Linie dienen wir damit aber uns selbst und unserem ästhetischen Anspruch. Wir brauchen also auch keine Designerkirchen.

Warum die Kirche vielleicht doch Designerpfarrer braucht.

Der Unterschied zwischen Design und Kunst besteht darin, dass der Künstler seine Kunst zum Selbstausdruck nutzt und damit in erster Linie für sich selbst gestaltet. Der Designer hingegen arbeitet grundsätzlich für andere. Er hat einen klaren Auftrag, einen Auftraggeber und eine Zielgruppe im Blick, die mit dem Design konfrontiert werden wird.

Aus diesem Blickwinkel gesehen wünsche mir dann doch definitiv mehr Designerpfarrer für unsere Kirchen. Mehr Menschen, die aktiv gestalten wollen und dabei keine fromme Kunst machen, sondern ganz die Zielgruppe und den Auftrag im Blick behalten. Mehr Menschen, die darum ringen, in unserer Zeit Heimat für Suchende und Heimatlose zu schaffen und das Gute, das wir erlebt haben, für sie verständlich machen. Designer eben. Und davon nicht nur Pfarrerinnen und Pfarrer.

„Designerpfarrer“ – im Endeffekt habe ich dann meinen Blog so getauft. Vielleicht gerade deshalb, weil der Begriff so zweischneidig ist und irgendwie aufstößt. Vielleicht, weil er meinen inneren Spagat zum Ausdruck bringt. Vielleicht aber auch nur, weil ich Wortspiele liebe.

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