Ich liebe meinen Job. Als Teenager habe ich davon geträumt, ein Designer zu sein. Menschen Dinge verständlich machen. Konzepte austüfteln. Sich auf immer neues einlassen. Begeistern. Die Welt ein bisschen hübscher machen. Und bisher kann ich sagen: Der Beruf hält, was er verspricht.

Ich bin schon immer ein Mensch, der Spiritualität sucht und gleichzeitig auch kritisch hinterfragt. Deshalb lag das Thema Theologiestudium schon häufiger auf meinem inneren Tisch. Jedoch bisher immer nur wie eine in Comic Sans auf gelbem Papier gedruckte Broschüre, die danach schrie, aussortiert zu werden. Zu altbacken. Zu lange. Zu sehr an die komplizierte Struktur der Kirchen angepasst. Das Outfit eines Gemeindepfarrers war mir auch irgendwie nicht bunt genug. Und überhaupt: Braucht es für eine solche Entscheidung nicht eine eindeutige Berufung?

Abschlussphasen wie das Ende meines Informationsdesign-Studiums sind immer auch Phasen der Selbstreflexion. Anfang Januar stellte sich in mir deshalb eine tiefe, unerwartete innere Unruhe ein. Da drängte sich wieder dieser Gedanke auf: Theologiestudium – wäre das nicht was für die nächsten Jahre? Eigentlich reizt dich doch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit spirituellen Themen enorm! Und eigentlich wäre Designerpfarrer doch echt eine Kombination, die voll und ganz zu deiner Persönlichkeit passt.

Ich wurde misstrauisch. Bestimmt wieder eine Kurzschlussreaktion, bedingt durch irgendwelche inspirierenden Gespräche der letzten Monate oder durch motivierende Reden der Gebetshaus-Konferenz zwei Wochen zuvor. Trotzdem war nach diesen schlaflosen Nächten klar, dass ich zumindest einmal genauer hineinschauen muss. Die Option als realistische Möglichkeit prüfen, ohne das Ganze mit dem Verweis auf mein erfüllendes Berufs- und Privatleben in den gedanklichen Papierkorb zu werfen. Ich hatte das Gefühl, dass Gott persönlich mich dazu auffordert, diesem Gedanken nachzugehen.

Dieses Nachgehen hat gedauert. Rund vier Monate lange habe ich mit Freunden, Wegbegleitern, Hobby- und Berufs-Theologen und der Family gemeinsam gerungen. Keine Einzige Person unter dem Dutzend Menschen, das auf meiner Gesprächsliste stand, war überrascht über meine Gedanken, was mich wiederum sehr überrascht hat. Ich sei schon immer ein spiritueller Mensch auf der Suche nach Gott gewesen und dieses Studium eine logische Konsequenz daraus. Logisch erschien mir das Ganze eher nicht. Kann ich es wirklich mit mir selbst vereinbaren, gegen jegliche Konventionen ein zweites Studium anzufangen, das erst einmal überhaupt gar nichts mit meiner ersten Profession, die ich liebe, zu tun hat?

Ich glaube folgendes: Wir brauchen mehr Mut zur Absurdität. Um unseren Enkeln eines Tages begeistert von unserem bunten Leben erzählen können müssen wir auch bereit sein, Farbkontraste zu setzen. Müssen wir bereit sein, Dinge selbst zu entscheiden, anstatt abzuwarten, bis sie für uns entschieden werden. Müssen wir Neues wagen anstatt das zu tun, was wir sowieso instinktiv tun würden. Vielleicht bedeutet dieses Neue, der erste Designerpfarrer zu werden, vielleicht bedeutet es aber auch nur, alles studiert zu haben, wofür ich Leidenschaft habe. In zwanzig Jahren möchte ich jedenfalls auf meine ganz eigene, kantige und spannende Lebensreise zurückschauen anstatt auf einen perfekten Lebenslauf. Und du?

Kategorien: Persönlich

1 Kommentar

Hugo Tausch · 24. August 2017 um 19:40

Sehr cool. Dann gibt es einen Pfarrer weniger der dieser schrecklichen HfA „Teen“ Bibeln an der Konfirmation austeilt. 😀
Wenn ich eines gelernt habe dann, dass es sich lohnt auf den Herrn zu hören wenn er einem etwas ins Herz legt. 😉

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